Stephan Schmidheiny

Stephan Schmidheinys Weg und Wirken in Kurzform

Stephan Schmidheiny entstammt einer Ostschweizer Industriellen-Familie, die, wie kaum eine andere, Industriegeschichte geschrieben hat. Er hat diese Tradition weitergeführt, auf seine ganz eigene Weise. Kaum 29-jährig, trat der promovierte Jurist in die familieneigenen Schweizer Eternitwerke ein, übernahm kurz danach die Führung und begann sogleich mit dem Ausstieg aus der Asbestverarbeitung, was damals weltweit eine Pionierleistung war. Pionier war Schmidheiny auch bei seinen industriellen Engagements, etwa zusammen mit andern als Retter der Schweizer Uhrenindustrie (SMH) oder bei der Fusion zur ABB. Einen weiteren Höhepunkt erlebte Stephan Schmidheiny mit dem von ihm mitgeprägten Rio-Gipfel 1992, der Gründung des „World Business Council for Sustainable Development“ und seinem in viele Sprachen übersetzten Bestseller „Kurswechsel“, einem Plädoyer für die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft – im Denken wie im Handeln. In diesem 1992 erschienenen Werk wurde zudem erstmals der Begriff der „Öko-Effizienz“ geprägt. Unvergessen bleibt auch sein inhaltliches, ideelles und finanzielles Engagement für die ETH, die sich zusammen mit dem Massachusetts Institute of Technology MIT und der Universität of Tokyo zur „Alliance for Global Sustainability“ formiert hat. Seine Industriellenlaufbahn schloss er mit einem ganz andern Denk- und Betätigungsfeld ab, der Philanthropie, aus der u.a. seine bedeutende Avina Stiftung hervorging. Nicht umsonst bezeichnete das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Stephan Schmidheiny als „Bill Gates of Switzerland“. Seit 2001 hat sich Stephan Schmidheiny sukzessive aus allen Funktionen zurückgezogen, die Führung der Familienholding in externe Hände gelegt und frühzeitig sein Erbe geregelt.

 

 
 

Wichtige Stationen

1947 Geboren als Sohn von Max Schmidheiny (1908-1991) und Adda Schmidheiny-Scherrer (gest. 1997). Aufgewachsen in Heerbrugg, Schweiz, mit den Geschwistern Marietta, Thomas und Alexander
1969 Praktikum mit Ausbildung zum Schichtführer bei Eternit in Brasilien
1972 Dr. iur., Universität Zürich, Schweiz
1974 Eintritt in das Familienunternehmen Eternit AG in Niederurnen, Schweiz, als Verkaufsleiter
1975 Delegierter des Verwaltungsrates der Eternit AG, Niederurnen
1976 Übernahme der Gesamtleitung der Schweizerischen Eternit-Gruppe SEG von seinem Vater

Lancierung des Innovationsprogramms NT („Neue Technologie“) zur Entwicklung asbestfreier Produkte
1978 Wahl in den Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankgesellschaft (später UBS); Rücktritt 1996
1979 Erste Diversifikation aus der Bauindustrie mit dem Erwerb des Kiosk-Geschäfts der Schweizer Distral-Gruppe
1981 Wahl in den Verwaltungsrat der BBC (später ABB); Wahl in den Verwaltungsratsausschuss 1995; Rücktritt 1997
1982 Investition in die Forstindustrie in Chile
1984 Erbteilung: Thomas Schmidheiny erhält die Holderbank-Gruppe (heute Holcim), Stephan Schmidheiny die Schweizerische Eternit-Gruppe SEG

Gründung der gemeinnützigen Fundes Stiftung in Panama, die kleine und mittlere Unternehmen in Lateinamerika unterstützt
1985 Übernahme der SMH (später Swatch-Gruppe) zur Rettung der Schweizer Uhrenindustrie, Joint Venture mit Nicolas Hayek; Mitglied des Verwaltungsrats 1986 - 1994
1986 Wahl in den Verwaltungsrat der Landis & Gyr; 1987 Übernahme der Aktienmehrheit der L&G-Holding; 1995 Verkauf der L&G-Aktien an Elektrowatt; Rücktritt aus Verwaltungsrat 1996

Wahl zum Chairman des International Management Institute IMI, Genf; 1989 Fusion von IMI mit IMEDE zum International Institute for Management Development IMD in Lausanne, Schweiz; 1990 Errichtung des „Stephan Schmidheiny Chair of Entrepreneurship and Finance“; Rücktritt aus Stiftungsrat des IMD 1992
1987 Bekanntgabe des Zusammenschlusses der schweizerischen BBC mit der schwedischen Asea zu ABB. Stephan Schmidheiny gilt als eine der treibenden Kräfte hinter der wegweisenden Fusion
1988 Wahl in den Verwaltungsrat von Nestlé; Rücktritt 2003

Beginn des Verkaufs sämtlicher Beteiligungen der Schweizerischen Eternit-Gruppe, welcher Ende der 1980er-Jahre abgeschlossen wurde. Die Beteiligungen wurden mit Rechten und Pflichten an die jeweiligen Rechtsnachfolger verkauft
1989 Übernahme der Wild-Leitz; 1990 Fusion mit Cambridge Instruments zu Leica
1990 Berufung zum „Hauptberater für Wirtschaft und Industrie“ des Generalsekretärs der UNCED zur Vorbereitung des Rio-Gipfels 1992

Gründung des Business Council for Sustainable Development
1992 UNO-Konferenz über Umwelt & Entwicklung in Rio de Janeiro

Publikation des Bestsellers „Kurswechsel – Globale unternehmerische Perspektiven für Entwicklung und Umwelt“, Prägung des Begriffs „Öko-Effizienz“
1993 Wahl in das Board des World Resources Institute (WRI), Washington; Rücktritt 2001

Ehrendoktor der INCAE Business School, Costa Rica

Gründung der gemeinnützigen Alexander-Schmidheiny-Stiftung, im Andenken an den 1992 verstorbenen Bruder. Die Stiftung unterstützt und fördert kulturelle, soziale oder ökologische Anliegen (Präsident)
1994 Gründung der gemeinnützigen Avina Stiftung (Präsident) mit unternehmerischem Charakter in der Schweiz. Die Stiftung engagiert sich für soziale und ökologische Nachhaltigkeit
1995 Aktive Gestaltung der vom verstorbenen Bruder Alexander übernommenen Daros-Kunstsammlung

Wahl in den Chairman’s Council des Museum of Modern Art (MoMA), New York (Rücktritt 2002)
1996 Gründung der Alliance for Global Sustainability AGS, einer Partnerschaft  zwischen vier führenden technischen Universitäten; Vorsitzender des internationalen Advisory Board 1996 - 2001

Gründung des Latin American Center for Competitiveness and Sustainable Development an der INCAE Business School in Costa Rica

Ehrendoktor der Yale University, New Haven
1997 Publikation „Finanzierung des Kurswechsels – Die Finanzmärkte als Schrittmacher der Öko-Effizienz“

Ernennung zum Co-Chair der OECD High Level Advisory Group on the Environment; Publikation eines Reports; 1998 Beendigung der Arbeiten der Group
1998 Gründung der Management-Gesellschaft Nueva SA in Costa Rica
1999 Wahl in den Internationalen Beirat der Panama Canal Authority
2000 Ernennung zum Ehrenpräsidenten des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD)
2001 Eröffnung der Daros-Exhibitions im Zürcher Löwenbräu-Areal (bis 2008); seit 2010 werden Werke aus der Daros Collection in der permanenten Sammlung der Fondation Beyeler in Riehen BS, Schweiz, gezeigt

Ehrendoktor des Rollins College, Florida

Ehrendoktor der Universidad Católica Andrés Bello, Caracas, Venezuela

Gründung der gemeinnützigen Fundación Avina als Schwester-Stiftung der Schweizer Avina Stiftung. Ziel der Stiftung ist die Schaffung und Umsetzung eines neuen Philanthropie-Konzepts in Lateinamerika, das die Vorgaben von gemeinnützigen Tätigkeiten mit Massnahmen und Instrumenten aus der Unternehmenswelt kombiniert

Entscheid, sich sukzessive aus allen Funktionen und der Öffentlichkeit zurückzuziehen
2002 Publikation „Walking The Talk: The Business Case for Sustainable Development“
2003 Errichtung des unwiderruflichen Viva Trust hauptsächlich durch die Übertragung der Aktien der GrupoNueva Holding im Wert von rund 1 Mrd. USD. Die Erträge des Viva Trust werden durch unabhängige Trustees verwaltet und zur Finanzierung der Fundación Avina in Lateinamerika eingesetzt

Parallel zu seinem Rückzug aus dem Geschäftsleben beauftragt Stephan Schmidheiny die Becon AG mit der Bearbeitung des Dossiers Asbest der ehemaligen Schweizerischen Eternit-Gruppe SEG
ab 2006 Die Becon AG lanciert eine humanitär motivierte Initiative für ehemalige Mitarbeitende der italienischen Eternit SpA, an der die Schweizerische Eternit-Gruppe eine Beteiligung gehalten hatte. Die Firma ging 1986 in Konkurs, wodurch keine Rechtsnachfolge bestand.
2009 Erscheint eine Biographie, “Stephan Schmidheiny. Sein langer Weg zu sich selbst. Erbe – Unternehmer – Philanthrop“ in deutscher Sprache

Im Dezember beginnen im italienischen Eternit-Prozess die Verhandlungen
2012 Erstinstanzliches Urteil im italienischen Eternit-Prozess

Bis Ende 2012 haben über 1'600 Personen in Nord- und Süditalien die nach wie vor laufende humanitär motivierte Offerte angenommen. Die ausbezahlten Entschädigungen richten sich nach den international etablierten Eckwerten für Integritätsentschädigungen, u.a. nach jenen der SUVA in der Schweiz
2013 Berufungsverfahren im italienischen Eternit-Prozess